Professor Di Fabio: Religiöse Quellen nicht versiegen lassen

Beim Sommerempfang 2015 des Martin Luther Forum Ruhr am Mittwoch, 24. Juni 2015, hat Professor Dr. Dr. Udo Di Fabio dazu aufgerufen, den religiösen Glauben zu stärken und die religiösen Quellen nicht versiegen zu lassen – gerade auch dann, wenn man sich als Integrationsgesellschaft verstehe. Der Festredner, Richter des Bundesverfassungsgerichts a. D. und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017, beschäftigte sich mit dem Thema „Zukunft der Glaubensfreiheit“ . Die rund 250 Gäste – unter ihnen Bürgermeister Ulrich Roland und zahlreiche weitere Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft – zeigten sich begeistert von dem engagierten und lebendig vorgetragenen Ausführungen.

Ausgehend von der Grundgesetz-Prämisse der wohlwollenden Neutralität des Staates gegenüber Religionen, Glaubensgemeinschaften und Weltanschauungen entwickelte Professor Di Fabio seinen Blick auf die Zukunft der Glaubensfreiheit in einer immer pluralistischeren Gesellschaft, die zugleich säkularisierter und religiös fundamentalistischer werde. Konflikte aufgrund von Religionen und Glaubensrichtungen lösten inzwischen auch Rufe nach einem laizistischen Staat aus. Dieser radikalen Trennung von Kirche und Staat erteilte der Redner aber eine klare Absage. Der moderne Staat habe sich in Ko-Evolution zum christlichen Glauben entwickelt. Das wechselseitige Lernen habe zur Toleranz geführt. Die geistigen Quellen des Rechts, die Würde des Menschen, die Liebe zu den Menschen – das alles fuße auf biblischen Grundlagen. Der Laizismus würde diese Wurzeln abschneiden. Di Fabio: „Die Zukunft der Glaubensfreiheit ist die Frage nach der Zukunft unserer Gesellschaft.“  Die moderne Gesellschaft sei schließlich aus dem Konflikt um Glaubens- und Meinungsfreiheit entstanden. Man müsse über unsere Gesellschaft nachdenken. Sie könne sich ändern, wenn sie wieder christlicher werde. Und hier rief Professor Di Fabio die christlichen Gemeinden zu mehr Optimismus und Vitalität auf.

 

Grußworte und Musik

Karola Geiß-Netthöfel, RVR- Regionaldirektorin und Mitglied des Beirats des MLFR, hatte die Gäste begrüßt. Thomas Weckelmann, der Beauftragte der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, sprach ein Grußwort und stellte den Festredner vor. „Die Gedanken sind frei“:  für dieses a cappella vorgetragen Lied von Hoffmann von Fallersleben erhielt Friederike Lechert ( Mezzosopran) begeisterten Beifall. Und Blasfemin – vier Frauen – vier Saxophone – sorgten von Anfang bis Ende für den passenden Sound zum Sommerempfang.

Bericht WAZ Gladbeck 26.06.2015: Di Fabios Plädoyer prägt Sommerempfang